Dienstag, 21. März 2017

Vom Laufsteg in den Kleiderschrank 2.1: Inspiration

Schon bei der ersten Runde dieser tollen Aktion (Finale hier) von Yvonne und Monika hätte ich liebend gern mitgemacht, da sie doch sehr meiner Herangehensweise entspricht.
Ich lasse mich meistens von Laufstegmodellen inspirieren und versuche sie oder einen gewissen Stil, den sie transportieren, der natürlich meinem nahe kommen muss, dann umzusetzen.

Ich stöberte also - vorfreudig, dass ich mit etwas mehr Zeit wohl in der 2. Runde mitmachen könnte - bei Pinterest, bei Vogue online und in meinen Zeitschriften, nur um doch immer wieder auf Gucci und Miu Miu und - trenchcoatbezogen - wie Monika auf Burberry zurückzufallen...

Yvonne hat hier eine wunderbare Zusammenfassung zum neuen Gucci-Stil geschrieben, den Alessandro Michele aufgebracht hat, und der meiner Meinung mal völlig zurecht gehypt wird.
LOVE IT!! Am liebsten würde ich diesen kreativen Kopf in meinen Keller sperren, damit er nur für mich designt. So, jetzt ist es raus.

Miu Miu finde ich auch schon länger toll, und im Rahmen des Prada-Sew-Alongs nähte ich einen Mantel, den ich immer noch liebe aber nicht jeden Tag anziehe, weil er maximal exzentrisch ist!

Beide Marken bestechen in den letzten Jahren mit herrlichen Farben und einem alles andere als unauffälligen Stil, der sich modisch an vergangenen Jahrzehnten, oftmals an den 60ern und 70ern orientiert.

Soweit sogut. Und am Ende des Tages lande ich - wie so oft - bei den Mänteln.
Mein letztes Exemplar ist leider ein totales (Rosen-)Montagsmodell geworden, ich werde ihn wohl nicht tragen, hab´s ein paarmal versucht aber fühle mich total unwohl. Er sitzt einfach nicht.

Außerdem ist es so, dass ich unbedingt einen passenden trenchcoatartigen Mantel benötige.
Ganz ehrlich, ich reiße mich nicht darum einen Trenchcoat zu nähen - diese tausend Schnittteile und Nähte... Also probierte ich immer wieder in diversen Geschäften einige an, aber ausnahmslos alle (inklusive dem, den ich besitze) sind mir im Oberteil zu kurz, die Taille hängt unter der Brust, und wenn ich den Gürtel schnüren muss, fühle ich mich sehr seltsam damit.

Und: ein blauer soll es sein! UNBEDINGT!

Pate stehen diese beiden Mäntel von Miu Miu (RTW Spring 2017)

Quelle: Vogue

und Gucci (Pre-Fall 2015)

Quelle: Pinterest
Dazu möchte ich gern eine schöne Bluse in diesem Stil (Gucci RTW Spring 2017) nähen - wer hier länger liest, weiß, dass ich schon mehrere Hemdblusen in diesem Stil genäht habe. Vielleicht probiere ich es ja mal mit einem anderen Schnitt?

Quelle: Vogue

Mir stehen drei Stoffe zur Verfügung:
ein blauer dicker Viskose-Romanit für den Mantel und ein auberginefarbener Viskosestoff für die Bluse, beides vom Stoffladen um die Ecke:


und ein Viskosestoff, den ich mal von Katharina erstanden habe:


(Die Mantelstofffarbe entspricht eher dem oberen Foto.)

Vielleicht schaffe ich ja zwei Blusen, mal sehen, ich werde es zunächst mit dem oberen Stoff versuchen.

Und nun alle hier entlang, wo wir bei Monika sämtliche Laufsteg-Kleiderschrank-Pläne präsentiert bekommen! Ich freue mich sehr dabei zu sein!

Zur Erinnerung noch die Termine:

Termine 2. Runde:
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Mi. 15.03. Inspirationen
Fr. 31.03. Zwischenstandsbericht
So. 30.04. Ab­schluss­prä­sen­ta­ti­on

Liebe Grüße,
Nastjusha

Dienstag, 28. Februar 2017

Faschingsprojekt: Jacquard-Trench nach "Nähtrends"

Nun ja, mit Faschingsprojekt meine ich eigentlich, dass ich den Mantel über das Faschingswochenende genäht habe. Aber wenn ich ihn mir so ansehe, könnte ich damit auch als chinesische Porzellanvase gehen.
Ihr seht, ich bin noch nicht so ganz überzeugt.



Genäht habe ich einen sogenannten leichten Trenchcoat nach einem Schnitt von American Vintage, aus der Nähtrends (ehemals Patrones) 6/16.
Besser gesagt: ich sah mir meinen riesigen Stoffvorrat an und überlegt, welcher als nächster dran glauben muss, und entschied mich für einen schönen Satin-Jacquard, den ich von einer ortsansässigen Dirndldesignerin Ende letzten Jahres bekam. Sie mistete ihre Reste aus und gab sie für wirklich kleines Geld ab. Ihre Stoffe kauft sie in Italien und Dubai - keine Ahnung woher dieser hier ist, aber er ist schwarzgrundig und mit schillernden Blumen übersät - wirklich sehr schön.

Ich ahnte aber schon, dass ich ihn "brechen" muss mithilfe eines eher maskulinen schlichten Schnitts, damit das alles nicht zuviel des Guten wird, und wählte besagten Schnitt aus der Nähtrends.


Ich dachte mir, das wird eine einigermassen einfache Baustelle: kein Futter, wenig Nähte, kein Reverskragen. Sprachs und stellte sich erstmal (mindestens) eine Stunde hin und stellte 7m Schrägband zum Versäubern her, nur um dann mitzubekommen, dass der Stoff doch so instabil ist in seiner Webung (Satin und auch noch Jacquard), dass er komplett verstärkt werden sollte, wenn ich ihn öfter als einmal tragen möchte. Das erforderte dann also doch ein Futter...

Außerdem waren für den Schnitt 2,20m vorgesehen, mir standen aber nur 1,90 zur Verfügung. Ihr könnt Euch also vorstellen, wie ich mit dem Schnitt um jeden Zentimeter feilschte!

Das alles führte also dazu, dass aus dem zuerst als "schnell" eingestuften Projekt ein ziemlicher Nervenfresser wurde. Einigen Beitrag dazu leistete die Leistentasche links und rechts. Die Anleitung in der Nähtrends war für mich absolut unverständlich, und die Burda-Anleitung ging mit dem Schnittmuster einfach nicht zusammen. Ich probierte und friemelte mit diesem Jacquard also herum, bis ich zwei Taschen hinbekam, die sicher so nicht gedacht waren, aber egal.


Futter hatte ich zuhause und arbeitet es nach der Konfektionsmethode ein, am hinteren Schlitz fütterte ich von Hand ein.



Insgesamt ist es noch eher die Passform, die mich zweifeln lässt, aber dazu muss ich mal Tragefotos posten. Er ist an den Schultern (trotz Verschmälerung um 3cm) ziemlich breit und nach unten hin gerade bis schmal. Auch die Armlöcher sind riesig, was zu dem lockeren Sitz obenrum noch beiträgt, trotz Schulterpolstern.
Das Modell sollte außerdem eigentlich leichter fallen, was mit der Rundum-Einlage (auch wenn es nur eine leichte Webeinlage ist) auch nicht recht gelingen will, logisch.

Nun ja, ich werde dem Mantel eine Chance geben, muss ihn aber mit Sicherheit betont leger tragen, damit ich mir nicht vorkomme wie eine Industriellengattin um die 60 (nichts gegen diese!). :-)

Liebe Grüße,
Nastjusha

Montag, 2. Januar 2017

Das fängt ja gut an: Mantel mit Fellkragen zum Jahresbeginn

So begann das Jahr ganz nach meinem Geschmack: den ganzen 1.1. tat ich nichts, als endlich mal wieder zu nähen und einen Mantel fertigzustellen, der seit Wochen auf meiner Schneiderpuppe hing.

Vielleicht ist der einen oder anderen aufgefallen, dass ich nicht nur den Wintermantel-Sew-Along, sondern sogar auch den Weihnachtskleid-Sew-Along mit gerade mal einem Post bedacht habe und dann sang- und klanglos abgetreten bin. Ich kam einfach nicht zum Nähen.
Die Weihnachtsgala meines Lieblingslokals besuchte ich in diesem Jahr zum ersten Mal in Kaufklamotten - und fühlte mich wirklich ganz schrecklich durchschnittlich, kann ich Euch sagen.

Aber genug geheult, die Zeiten haben sich seit letztem Jahr eben geändert, und ich habe weder ein eigenes Zimmer zum Nähen und muss auf das Schlafzimmer ausweichen (wo ich eben ein Projekt nicht mal eben tagelang liegenlassen kann, um bei einem Zeitfenster kurz mal daran weiterzuarbeiten - Leidensgenossinnen wissen sicher, was ich meine), noch wirft mein Leben viel Nähzeit ab. 
Die Arbeit ist mehr geworden und insgesamt wird das Leben immer schneller, in allen Bereichen.
Da ist der meditative Rückzug mithilfe der Näherei zwar anzustreben, aber leider nicht immer machbar.
Ich möchte mich außerdem hier in aller Form entschuldigen, dass ich so gut wie gar nicht mehr kommentiere in anderen Blogs. Das hängt damit zusammen, dass ich nur noch sporadisch zum Bloglesen komme, und ich fürchte, daran wird sich in diesem Jahr nicht sehr viel ändern.
Mir ist klar, dass das einem Rückzug aus der Community gleichkommt, aber der ist nicht so beabsichtigt. Ich möchte weiter nähen und die genähte Kleidung verbloggen, und wenn das jemanden interessiert, freut es mich. Das Kommentarfeld lasse ich nach kurzer Überlegung weiterhin aktiviert, weil ich weiß, wie es ist, wenn man ehrlich und gern kommentieren möchte aber nicht kann, weil die Funktion ausgeschaltet ist. 
Nur Sew-Alongs und Me-Made-Mittwoch und so muss ich glaube ich skippen, weil es nicht fair ist, wenn man bei diesen gemeinschaftlichen Aktionen nicht kommentiert, so ist das glaube ich einfach nicht gedacht. 
Und wenn es meine Zeit zwischendurch erlaubt, lese ich mit Vergnügen über alles, was sich bei anderen tut.

Vielleicht ändert sich das alles mal wieder, aber gerade fühlte ich, dass ich dieses Thema zu Beginn des Jahres kommunizieren möchte.

Jetzt aber zum wirklich Interessanten!


Ich hatte bei meiner großspurigen Ankündigung zum Wintermantel-Sew-Along einen Stoff vorgestellt, den mir die tolle Wiebke mal auf dem Maybachufer-Markt gekauft und geschickt hat, weil sie fand, der Stoff würde mir so entsprechen... ich bin immer noch ganz gerührt von dieser Aktion. 
Dieser Stoff ist ein wunderbarer schwerer  Wollstoff mit eingewebtem Muster, Wiebke hat ihn HIER zu einem Rock vernäht.
Anstatt auf einen original-Schnitt aus einer 70er-Burda zurückzugreifen, entschied ich mich, die Jacke Nr. 119 aus der Oktober-Burda 2016 zu nähen.

Ich fügt wie immer im Oberteil 2cm Länge zu, und hätte das auch bei den Ärmeln tun sollen, wie sich nun herausstellt, aber nun ja. Ansonsten bin ich mit dem Schnitt sehr zufrieden!

Der Mantel hat einen sehr schönen leicht ausgestellten Schnitt mit einer hinteren Schulterpasse, die hier mit dem Muster natürlich total untergeht. Immerhin habe ich es geschafft, den Musterverlauf so zuzuschneiden und zu nähen, dass alles einigermassen gerade aussieht und nicht total versetzt liegt.


Die Paspeltaschen sind etwas tricky, wenn auch eigentlich nicht viel anders als normale Paspeltaschen. Wahrscheinlich war ich einfach nur zu blöd für die Anleitung, aber die erste Paspeltasche versemmelte ich komplett, sodass ich das ganze Vorderteil neu zuschneiden musste.
Zum Glück hatte ich noch genügend Stoff.


Gefüttert habe ich mit Steppfutter (außer in den Ärmeln, dort mit normalem Futter).
Sibylles Hexenbuckel im Gedächtnis (hihi, sorry, Liebste), verzichtete ich auf die Bewegungsfalte in der Rückenmitte. Eine von uns muss halt den ganzen Scheiß erst durchmachen, damit die anderen daraus lernen können.


Die Paspeln und den oberen Reverskragen habe ich aus einem Wildlederimitat genäht, welches ich HIER schon einmal zu einem Mantel verarbeitet habe. Es passte farblich ganz gut zu dem Wollstoff, und da ich mir Paspelnähen aus dem schönen aber fransigen Wollstoff ersparen wollte und auch fand, dass der Reverskragen mit dem großen Muster nicht so gut zur Geltung kommt, entschied ich mich zu dieser anfänglich etwas wild-westlich anmutenden Variante.


Der eigentliche Plan aber war - wie auch in dem Schnitt von Burda vorgesehen - einen abnehmbaren Fellkragen dazu zu nähen. Ich habe von meiner Nachbarin einmal mehrere alte Krägen und Felle geschenkt bekommen, und ein Stück davon passte von der Größe ungefähr zum Schnitt.
Allerdings traute ich mich an die Pelzverarbeitung nicht ganz ran und beauftragte einen ortsansässigen Kürschner, mir den Kragen nach dem Schnittteil zu fertigen. Ich zahlte meiner Meinung nach angemessene 80,- Euro, und das gute Gefühl, so altes Handwerk und lokales Geschäft zu fördern, gab´s gratis dazu. So sieht das gute Stück aus:


Gefüttert wurde der Kragen mit einem Stoff, den ich mitgab, das ist ein normaler Futterstoff aus Viskose. Die Ecken hat der Kürschner drangenäht, die olle Knopfleiste, die mit der Hand mehr schlecht als recht nachträglich angetackert wurde, ist natürlich von mir.



 An den Kragensteg des Mantels habe ich kleine Knöpfe angenäht, und dann ist es gar kein Problem, den Fellkragen über die Ecken des Reverskragens zu ziehen und anzuknöpfen.
Das hält wunderbar so, ich habe den Mantel heute bereits ausgeführt.




Und so stolzierte ich heute in die Stadt durch zarten Schnee (-matsch).
Danke, liebste Wiebke, ich habe durch Dich ein neues Lieblingsstück!



Euch allen ein gutes, gesundes und großzügiges Neues Jahr! 

Liebe Grüße,
Nastjusha

Freitag, 18. November 2016

Weihnachtskleid-Sew-Along, erster Teil: "Inspiration"

Ihr seht mich hysterisch lachen, während ich mich auf die letzten Minuten noch beim Weihnachts-Sew-Along einreihe. Ihr müsst nämlich wissen, dass ich - mit absolutem Zeitmangel geschlagen - schon den Wintermantel-Sew-Along sang- und klanglos habe auslaufen lassen. Wohlbemerkt: nach dem ersten Teil mit der Planvorstellung. Nun ja.

Wie kann ich aber darauf verzichten, diese schöne Tradition der Weihnachtskleidnäherei weiterzuführen? Und auf diese äusserst charmante Moderation von Dodo und Yvonne auf dem Me-Made-Mittwoch-Blog?
Was für ein schönes und inspirierendes Paar!

Also, einmal durchschütteln und allen Widrigkeiten zum Trotz einen neuen Anlauf wagen, heißt mein Motto.

Ich bin erst seit 2013 dabei, und bisherig begleiten mir diese drei Modelle:


Dieses Kleid habe ich damals viel getragen, mittlerweile hat es eine kleine Pause hinter sich. Aber seine Zeit kommt schon wieder.

Diese wollene Kleid von 2014 mag ich sehr, aber aufgrund einer etwas schlampigen Änderung trage ich es selten. Ich müsste mich einfach nochmal ransetzen.


Auch 2015 hatte eine folkloristische Vintage-Borte ihren großen Auftritt bei mir, diesmal als Bund eines schwarzen Rockes. Dazu trug ich ein schwarzes Shirt und ein Tuch:


Für dieses Jahr hätte ich mir mal einen Hosenanzug gedacht. Ich merkte in letzter Zeit, dass ich einige Gelegenheiten im Jahr habe, schicke und besondere Hosenanzüge zu tragen. Meinen dunkelgrünen Samthosenanzug (HIER mit Details zur Fertigung) habe ich dieses Jahr zweimal getragen, und ich hätte gern einen weiteren, den ich je nach Anlass mit schickem Hemd oder protzigem glitzernden Oberteil tragen kann. Bin nämlich zu dem Schluss gekommen: es gibt kaum ein wandelbareres Outfit, das immer zugleich lässig und formell und schick und angezogen aussieht, als einen Hosenanzug (der durchaus sehr feminin wirken kann!), vor allem, wenn er auch noch aus einem besonderen Stoff besteht, was für mich bedeutet: nicht schwarz- oder dunkelblau-businessaffin ist.

Der Plan wäre also, den (bereits geänderten und ausgeradelten) Blazerschnitt aus der Burda 03/2015 mit einer Hose zu kombinieren, aber nicht mit der, die ich bereits aus Samt genäht habe. Oder vielleicht doch? Mal sehen. Alternativ würde ich gern diese Hose aus der Nähtrends 08/2016 nähen. Diese Originalhose besitze ich nämlich, und ich liebe sie heiß und innig. Wie habe ich mich gefreut, das Modell in der neuen Nähtrends zu sehen! Ich könnte mir diese schicke Mango-Hose, die so unverschämt von Gucci abgekupfert ist, einfach so nachnähen, immer wieder, ohne das Original auseinandernehmen zu müssen. (Nagut, der Schnitt wird sicher etwas vom Original abweichen, aber er wird nah dran sein, der Test wäre spannend.)


Als Stoff steht mir ein schöner dunkelbrauner Wollstoff zur Verfügung, den ich mal vor einigen Jahren am Maybachufer gekauft habe. Er schreit förmlich danach vernäht zu werden. Ich müsste mal schauen, ob er mir ausreicht.

Oh, und wie wundervoll wäre es, wenn ich auch noch den Mantel aus dem Wintermantel-Sew-Along dazu fertigbekäme. Naja, wir wollen mal auf dem Boden bleiben.

Aber wer weiß, wahrscheinlich wird mir nach dem Stöbern hier auf dem Me-Made-Mittwochblog sowieso ganz schwindelig werden ob der ganzen tollen Ideen und ich nähe mir am Ende doch ein Kleid. Heutzutage weiß das doch niemand.

Ich freue mich auf Euch alle!

Liebe Grüße,
Nastjusha

Sonntag, 16. Oktober 2016

Large rectangle in spider net: Tücherstricken als Therapie

Kurz vor dem Sommerurlaub entschied ich mich ein neues Tuch zu beginnen, damit ich den Sommer über und weiter in den Herbst hinein nebenbei was stricken kann, wenn mal Zeit ist.
Ich entschied mich für ein weiteres Modell aus dem Buch "Victorian lace today" von Jane Sowerby, aus welchem ich bereits dieses Tuch gestrickt hatte. Acht Knäuel feinstes "Kid Silk" in Farbe 19 (olivgrün) von drops waren vorhanden, und das sollte genau reichen nach meinen Berechnungen.

Die Ausmasse des Tuches kündigten sich schon ziemlich riesig an mit 2,30 x 0,80m im Originalgarn:


Daher dachte ich, es würde bis zum Winter dauern, bis es fertig werden würde...

Leider kam es so, dass der Urlaub auf ein paar Tage begrenzt blieb und ich die nächsten Wochen auf einem weitläufigen Krankenhausgelände und in Zügen verbrachte, ich hatte viele Stunden zum Stricken, sodass ich nun - nach guten zwei Monaten - fertig bin.

In dem Stricktuch stecken viele Sorgen um meinen Vater, viele Gedanken sind dort eingeflossen.
Und ich musste wieder einmal feststellen, dass Stricken wunderbar ist für die Psychohygiene. Wenn sich Gedanken nur um das Muster und die Haptik der Wolle drehen, können die meisten anderen Gedanken wie nebenbei über die Hände und Nadeln rausgelassen werden. Der Rhythmus des Strickens hat etwas sehr Beruhigendes, und insgesamt wirkt es doch sehr meditativ, wenn man soweit mit dem Strickstück eins ist, dass man sich nicht über irgendwelche Fehler ärgern muss oder ständig das Muster ändern muss.
Darum steckt in diesem Tuch sehr viel drin, es hat für mich eine sehr große Symbolik, vielleicht die höchstmögliche Symbolkraft.

Und nebenbei ist es auch noch traumhaft schön geworden.
Ich weiß, grün auf grün wirkt nicht so toll, aber ich wollte schon immer mal so schicke Fotos von einem Tuch in einem herrlichen Garten machen (wie in den Büchern, Ihr wisst schon):


Zuerst wird der Mittelteil gestrickt, dann die Borte außen herumgestrickt.


Ich kann mich zwar fünfmal einwickeln in das Tuch, aber was soll´s... :-) Bestimmt kann ich es so auch als Wickelkleid tragen! Und dieses riesige Tuch ist dabei federleicht - es wiegt keine 200 Gramm!






Ich bin ganz verliebt in das Tuch. Und muss auch noch sagen, dass die Anleitung aus dem Buch - wie auch beim letzten Mal - eine hundertprozentige ist. Alles stimmt, alles funktioniert. Irgendwann kommt noch eins dran.

Liebe Grüße,
Nastjusha

Dienstag, 27. September 2016

Winter-Mantel-Sew-Along: Inspiration

Hurtig, hurtig noch ein paar Zeilen des Dankes an Karin und Nina, die pünktlich zum Herbstanfang einen Wintermantel-Sew-Along auf dem Me-Made-Mittwoch-Blog hosten.
Hier auf meinem Blog war tote Hose, im wahrsten Sinne des Wortes, aus vielen Gründen, die das reale Leben so bereithielt und immer noch -hält.
Aber ich gebe nicht auf, ich nicht.
Darum möchte ich nach gefühlt ewiger Nähpause mit diesem Mantelprojekt wieder einsteigen.
Erstens habe ich immernoch einen Haufen an Stoffen zu verarbeiten, darunter einige schöne Mantelstoffe, zweitens kann man nie genug Mäntel haben. Diese Meinung vertrete ich in der Familie allein, aber was kümmert mich das...

Die liebe Wiebke hat mir im vorletzten Jahr (ungläubiges Staunen!) einen herrlichen Wollstoff vom Maybachufermarkt geschickt. Sie sah ihn und las "Nastjusha" drauf, checkte kurz ab und schickte mir nach begeisterten Ausrufen aus dem Süden der Republik 3m von diesem Stoff. Ich glaube, das ist ein reiner Wollstoff, von dicker Qualität, mit einem herrlichen gewebten Muster.

Außerdem hat mir die Mutter meiner Nachbarin (soweit spricht sich die Leidenschaft der Hobbynäherin herum) mal von einer Auktion eine riesige Tüte Felle mitgebracht. Ja, Felle. Alte Krägen, halb verarbeitet, Fell-Innenfutter, einen ganzen Fuchs gar. Tja. Was sagt man da...
Wie früher schon einmal geschrieben: ich würde mir nie einen neuen Pelz kaufen (russischen Genen zum Trotz), auch keine Jacke mit diesen Pelzrändern oder was es alles gibt. Genug gesehen zu dem Thema. Aber nun ja, diese alten Felle, die müssen aus den 70ern oder so stammen, die werde ich verarbeiten. Manch einer mag darin einen Widerspruch sehen, und ich akzeptiere das auch, aber ich muss zugeben, ich finde Fell wirklich schön (hier widerum setzen sich die russischen Gene vielleicht durch), sieht man ja auch an meinen ganzen Fake-Fur-Projekten, und habe kein Problem es zu verarbeiten um Kleidung mit Krägen oder Manschetten aufzupimpen, wenn das Material da ist oder auf so einem Wege zu mir kommt.

Ich möchte also gern einen Mantel nähen mit einem Pelzdetail daran.


Ist der Stoff nicht traumhaft? Ich sehe eher Fuchs dazu (unten), aber das obere Stück (keine Ahnung, was das mal war) ist etwas länger und dadurch evtl. geeigneter, wir werden sehen.

Da der Stoff sehr auffallend ist, benötigt er einen schlichten Schnitt, finde ich. Heißt: keine aufgesetzten Taschen, keine Riegel, so wenig Schnittteile wie möglich.

Den hier könnte ich mir gut vorstellen, er stammt aus der September-Burda von 1971.
Allerdings ist mir das schon fast ne Spur zu sehr 70er-Romantik. Es könnte sein, dass der Mantel aus diesem Stoff und mit so einem opulenten Kragen zwar phantastisch aussieht aber ich für diese krasse Zeitreise nicht allzu oft in Stimmung sein werde.


Dieser Schnitt aus der Oktober-Burda von 1970 könnte das Kunststück schaffen, den Retro-Touch des Musters vielleicht nicht zu hundert Prozent aufzufangen und auszubauen.


Ach, dummes Gequatsche. Was weiß ich. Wäre doch beides ganz schön monsterretromässig. :-)
Irgendwie tendiere ich momentan aber zum zweiten Modell.
Unter Umständen werde ich aber doch noch umgestimmt, wenn ich mich hier bei den anderen und ihren Ideen umgeschaut habe...

Ich freue mich wirklich sehr!

Liebe Grüße,
Nastjusha

Freitag, 24. Juni 2016

Aus der Versenkung im neuen Schleppenrock

Ihr Lieben da draußen, ich tauche mal wieder auf aus der Versenkung, nachdem ich nun endlich mal zwei Teile fotografiert habe. Das Bügeln und Anziehen und Fotografieren und Bearbeiten dauert bei mir viel länger als das Schreiben selbst.
Ich bin nicht viel zum Nähen gekommen in letzter Zeit, tatsächlich sind es nur diese zwei Teile gewesen in den letzten Wochen, aber so isses halt, und hat auch sein Gutes, zeigt es doch, dass so einiges los ist. Auch Blogs habe ich überhaupt nicht gelesen, nachdem ich den Computer zuhause kaum mehr anmache und der Arbeitslaptop "blogrein" bleiben soll. Das Verbot habe ich mir selbst auferlegt, und ich halte mich erstaunlicherweise auch daran. Dennoch geht mir dadurch viel verloren, was sich hier so getan hat, aber ich bin guter Hoffnung, mich bald wieder mehr einzuklinken.

Heute zeige ich euch einen Schleppenrock, den ich mir aus Anlass einer Musikpreisverleihung genäht habe. Da ich selbst keine Künstlerin/Preisträgerin war, sollte mein Outfit irgendwie festlich (aber nicht allzu sehr), leger und sachlich gleichzeitig sein. Ziemlich schnell war mir klar, das geht so nur mit meiner geliebten Kombination langer Rock mit Schleppe - Hemdbluse.

Den tollen Rock aus der Burda 09/2014 habe ich bereits einmal genäht und HIER gezeigt.

Ich habe den Rock um ca. 6cm verlängert, weil er mir beim letzten Mal nicht lang genug war, aber ansonsten habe ich alles gehalten wie beim letzten Mal. Der wichtigste Arbeitsschritt war auch hier wieder die komplette Fütterung und Verstürzung des Rocks. So hat er einen wunderbaren Fall und man sieht das Innenleben des Rocks nicht, wenn die Schleppe sich mal dreht oder man sie in die Hand nimmt. Das war bei der Burda so nicht vorgesehen.

keine Sorge, die Bluse spannt eigentlich nicht so... :-)
Vielleicht erkennt der eine oder andere den Stoff wieder: er ist von fashion for designers und ja schon einige Male vernäht worden in der Community - seine schöne Viskose-Qualität ist von der Beschaffenheit wie gemacht für dieses Rockmodell.



Ihr ahnt vielleicht, was nun kommt. So eine Schleppe macht sich wirklich hervorragend auf dem roten Teppich, aber auf der Party später mit Buffet und Tanz und allem drum und dran kann das Ding im schlimmsten Fall nerven, im besten Fall für Unterhaltung aller sorgen.
Bei mir war letzteres der Fall.
Nachdem mir ungefähr 6 Leute draufgestiegen sind und ich diverse Warnungen von allen Seiten entgegennehmen durfte (harhar), bot sich auch noch jemand an, die ganze Zeit mit ausgebreiteten Armen hinter mir herzulaufen und den Schleppenradius zu sichern.
So weit so lustig, aber der Wendepunkt kam mit der absurden Situation, dass an der Barschlange jemand auf die Schleppe stieg, ich einen Schritt nach vorn machte, sie die Schleppe somit spannte und daraufhin ein Zweiter drüberflog... purer Slapstick, ich sag´s euch! :-)

Ab da an habe ich die Schleppe nur noch so gehalten. Ging gut, und auch beim Tanzen lassen sich tolle Effekte damit erreichen! Hab ich für euch getestet.


Ein Wort muss ich auch noch ausnahmsweise zu der gekauften Hemdbluse verlieren, da sie so tolle Details hat, die ich euch zeigen möchte, so recherche-inspirationshalber. Die Bluse ist von Steffen Schraut und aus einer Baumwoll-Elasthan-Mischung, an die ich mich nie im Leben ranwagen würde. Überhaupt habe ich mich nicht getraut eine helle unifarbene Hemdbluse zu nähen weil ich glaube, ich würde sie nicht sauber genug hinkriegen.

Ich habe noch nie gesehen, dass einer der oberen Knöpfe einfach weggelassen wurde.
Das ist natürlich kein Versehen, denn ein Knopfloch fehlt da auch. Allein am Kragen ist ein Knopf und dann wieder der, der sowieso zu bleiben würde, weil dann Schluss ist mit dem Dekolletee.


Hinten Passe und zwei Abnäher, so weit klar. Man sieht aber schon, dass das Besondere die Ärmel sind.


Sie sind oben und unten gerafft und haben eine Manschette, die nach oben geöffnet ist.


So wird aus einer schlichten hellblauen Hemdbluse ein raffiniertes feminines Ding.


Zu dem Ensemble trug ich Schuhe, die ich vor zwei Jahren im Rahmen des Nix-für-Lemminge-Mustermix-Sew-Alongs kaufte, und sie passten perfekt, dazu einen dunkelblauen Kaufblazer ohne Kragen und mein Lieblings-Leo-Tuch.


Alles in einem war ich höchst zufrieden mit diesem Outfit, und es war genau richtig. Ein bisschen schick, ein bisschen leger, ein bisschen extravagant. Perfekt.

Und nun euch ein schönes sonniges Wochenende!
Nastjusha